März 2022

Begleitprogramm zu dieser Ausstellung

„Nächstes Jahr in Jerusalem…“ - Perspektiven aus der jüdischen Tradition

Mittelpunkt der Welt, Wohnsitz Gottes, ein Ort, mit dem sich tiefe Irritation und jahrtausendealte Sehnsucht verbinden - all das war und ist Jerusalem für Jüdinnen und Juden. Für die jüdische Tradition ist Jerusalem ein Spiegel der Beziehungen zwischen Gott und Volk Israel, der Ort, wo Himmel und Erde sich berühren. Aber wie kann eine Stadt mit solcher Aufladung überhaupt einen normalen Alltag leben? Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg gibt Einblick in die Bedeutung Jerusalems in Vergangenheit und Gegenwart.

Dr. Ulrike Offenberg ist eine deutsche (liberale) Rabbinerin. Sie wurde am 2. Dezember 2016 in Hameln zur Gemeinderabbinerin ordiniert.

Zeit:

Montag, 14. März 2022, 19.00 Uhr

Ort:

Celler Synagoge, Im Kreise 24

Referentin:

Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg, Berlin, Hameln

 

 „Felices Bücher“. Die Bücher der Felice Schragenheim (1922-1945)

Eine Lesung aus dem Koffer von Oskar Ansull zum 100. Geburtstag von Felice Schragenheim

Durch das Buch „Aimée und Jaguar“ und seine Verfilmung sind Felice Schragenheim und Lilly Wust und ihre Liebesgeschichte bekannt geworden. Sie endete tragisch, denn Felice Schragenheim wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Schließlich wurde sie mit einem Todesmarsch nach Bergen-Belsen geschickt, wo sie wahrscheinlich im März 1945 umgekommen ist. Vergeblich hatte sie noch versucht auszuwan-dern. Für ihr Gepäck musste sie eine detaillierte Aufstellung ihres Besitzes bei den Behörden einreichen, u.a. auch eine Liste ihrer Bücher. Dem aus Celle stammenden Autor und Rezitator Oskar Ansull ist es gelungen, die auf dieser Liste genannten Bücher antiquarisch zu sammeln. In mehr als 100 Lesungen hat er diese, in einem alten Koffer aufbewahrte Büchersammlung vorgestellt und damit einen Eindruck von Felice Schragenheims Persönlichkeit, ihren Interessen, ihrem Temperament und ihren Träumen vermittelt.

Die Lesung findet am Vorabend des 100. Geburtstags von Felice Schragenheim statt.

Zeit:

Dienstag, 8. März 2022, 19.00 Uhr

Ort:

Celler Synagoge, Im Kreise 24

Referent:

Oskar Ansull, Berlin

Eine Kooperationsveranstaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Gesellschaft und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V.

 "The Jewish Enemy“ – Der Nationalsozialismus und die Wahnidee einer „jüdischen Weltherrschaft“

Neuer Termin: Juni 2022

Der renommierte, vielfach ausgezeichnete Historiker Jeffrey Herf untersucht in seiner Studie The Jewish Enemy – Nazi Propaganda During World War II and the Holocaust die zentrale Rolle, die der Vorstellung einer „jüdischen Weltherrschaft“ in der nationalsozialistischen Propaganda einnahm, wie sie die Kriegsführung prägte und den Holocaust motivierte. Seine auf vielen neu erschlossenen Quellen gestützte Arbeit ist geeignet, unser Wissen über das nationalsozialistische Deutschland und die Shoah zu ergänzen und zu verändern. In seinem Vortrag wird Jeffrey Herf die Thesen seines Buches vorstellen, was umso wichtiger ist, als bisher noch keine deutsche Übersetzung dieses Buches erschienen ist. Angesichts der Virulenz, die die Wahnidee einer „jüdischen Weltverschwörung“ auch heute noch zu entwickeln in der Lage ist, sind seine Überlegungen auch zum Verständnis der Gegenwart bedeutsam.

Jefrey Herf ist Professor für moderne europäische Geschichte an der University of Maryland. Der Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhunderts. Auf Deutsch liegen vor: Zweierlei Erinnerung. Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland. Berlin 1998 und Unerklärte Kriege gegen Israel: Die DDR und die westdeutsche radikale Linke, 1967–1989, Göttingen 2019.

Zeit:

Neuer Termin: Juni 2022

Ort:

Aula der Paul-Klee-Schule Celle, Wittestr. 10

Referent:

Prof. Jefrey Herf, Universität of Maryland

Eine Veranstaltung des Netzwerkes gegen Antisemitismus. Anmeldung mit der Kurs-Nr. 22ACE1251an Anmeldung@vhs-celle.de oder unter vhs-celle.de

 

Jerusalem  - der gordische Knoten

Jerushalayim, al-Quds und Jerusalem - drei Namen für eine Stadt, die Juden, Moslems und Christen gleichermaßen heilig ist. Aber auch Agnositker und Atheisten dürfte die in den judäischen Bergen gelegene Metropole kaum kalt lassen, was vor allem an ihrer Schönheit sowie ihrer historischen Bedeutung liegt. Und in wohl keiner anderen Stadt auf der Welt sind aktuelle Politik, jahrausendealte Tradiditonen und Geschichte derart verworben und omnispräsent.
Lange Zeit war Jerusalem geteilt, erst der Sechs-Tage-Krieg von 1967 sollte dafür sorgen, dass die Stadt wiedervereint wurde. Die Altstadt und damit auch die "Klagemauer" (die Westmauer des Tempels), die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom gehören seither zum jüdischen Staat. All diese heiligen Orte sind Teil des Tempelbergs, ein Areal, das Juden seit den Tagen der Könige David und Salomon heilig war und nacheinander von Persern, Römern, Arabern sowie Kreuzfahrern, Osmanen und Briten erobert und dabei oftmals zerstört wurde.

Trotz immer wieder wechselnden Herrscher und zahlreichen Vertreibungen zieht sich die jüdische Präsenz wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt, woraus Israel die Legitimation ableitete, Jerusalem 1950 zur seiner Hausptstadt zu erklären. Aber auch die Araber meldeten Ansprüche an, weshalb die Diskussion über den Status und die Besitzverhältnisse so alt sind wie der Nahostkonflikt. Vorschläge und Pläne gab es bis dato zuhauf, sie alle scheiterten zumeist an den komplexen Realitäten. Jerusalem war und bleibt daher der "gordische Knoten", den es auf dem Weg zu einer nachhaltigen Friedensordnung noch zu durchschlagen gilt, wie immer auch diese aussehen mag.
Dr. Ralf Balke ist einer der besten Israel-Kenner im deutschsprachigen Journallismus. Balke ist promovierter Historiker und Autor des Standardwerkes Israel: Geschichte.Politik. Kultur. Er schreibt und berichtet regelmäßig in der "Jungle World" oder der Wochenzeitug "Jüdische Allgemeine".

Zeit:

Neuer Termin: Donnerstag, 17. März 2022

Ort:

Celler Synagoge, Im Kreise 24

Referent:

Dr. Ralf Balke, Berlin