Vergangene Veranstaltungen im Jahr 2026:
Antijüdischen Klischees in Passionsmusik -„deyner sunde Diener“? - J.S. Bachs Kunst und die Judenverachtung
Weil „nicht sein kann, was nicht sein darf“? Johann Sebastian Bachs sogenannte „Judenchöre“ in seinen zwei oratorischen Passionen verstören uns. Sie stören unser Ideal von Bach, dessen musikalische Kunst uns staunen lässt und demütig macht.
Im Vortrag wird versucht Fragen zu klären. Wie gehen wir um mit dem Verhältnis von kompositorischer Vollkommenheit und Verstrickung? Wie unterscheidet Bach die „Berichte“ aus den Evangelien vom „Bedenken“ des Verhältnisses zwischen sündloser Reinheit und „unserer“ Schuld - ein Bedenken, bei dem „Jüden“ gar nicht vorkommen? Nicht selten werden diese Passionsteile als Beleg dafür genommen, dass es in den Bachschen Passionen gar nicht um Judenverachtung gehe.
Doch was ist mit indirektem Antijudaismus? Seit frühchristlicher Zeit hatte sich Antijudaismus in Europa wie eine Konvention verselbständigt, wie eine christlich alternativlose Totalität. Oder kennt jemand ein Zeugnis bis zur Mitte des 18. Jh.‘s, das gegen Judenverachtung argumentiert hätte? In diesem Zusammenhang müssen J.S. Bachs oratorische Passionen verstanden werden.
Ist der bei Bach zu findende Antijudaismus für uns heute also fremd? Oder erleben wir mit seinen Passionen Spiegelungen unserer eigenen Verstrickung mit der Tradition des europäischen Antijudaismus?
Dr. Rüdiger Nolte, geboren in Celle, war tätig im Bereich Verlagswesen, Musikmanagement Dramaturgie und Hochschulleitung. Z.Zt. ist Rüdiger Nolte u.a. Vorsitzender des Hochschulrats der Hochschule für Musik FRANZ LISZT, Weimar, Mitglied im Beirat der Paul Ege Art Collection, Freiburg, sowie Mitglied im Kuratorium des StegreifOrchesters. Er lebt in Berlin.
Lieber Gott als nochmal Jesus. Fast eine Beichte - Lesung mit Ilja Richter
„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.“ Dieser schillernde Satz des britischen Schriftstellers Julian Barnes gab Ilja Richter den Anstoß, sich auf die Suche nach der eigenen Zugehörigkeit und Identität zu machen – mal ernst und sehr persönlich und dann auch wieder heiter-humoristisch. Dabei nimmt er uns mit auf (s)eine Suche nach religiöser Heimat „zwischen Kreuz und Davidstern“: als Sohn einer jüdischen Mutter, die den Naziterror überlebt hat, und eines kommunistischen Vaters, selbst aufgewachsen ohne konfessionelle Verankerung oder Traditionen, vom protestantischen Religionsunterricht abgesehen. Die Suche vollzieht sich in den unterschiedlichsten Formen: in Geschichten von bitterer Komik, in pointierten Dialogen und Sketchen, in tatsächlich geführten Interviews (u. a. mit Gregor Gysi), aber auch in kleinen Essays über Religion im Werk einiger zeitgenössischer Schriftsteller oder in Betrachtungen über persönliche Erlebnisse und Erfahrungen. Thematisch geht es dabei um Väter und Söhne, um Glauben, Gott und Jesus und um die eigene Position zwischen Juden- und Christentum – fernab aller Disco-Klischees.
Ilja Richter begann seine Bühnenlaufbahn bereits mit neun Jahren. Einem breiten Publikum wurde er in den siebziger Jahren vor allem durch «disco» (ZDF) bekannt. Ab seinem 30. Lebensjahr wandte er sich vorwiegend dem Theater zu – mit einem breiten Spektrum von „Hello, Dolly!“ bis zu „Richard III.“ Seit einigen Jahren ist er vorwiegend mit seinen Soloprogrammen und Lesungen auf der Bühne zu erleben. Nach zahlreichen CD- und Radioproduktionen wurde er in der Kategorie „Bester Interpret“ für den Deutschen Hörbuchpreis 2024 nominiert (Karel Capek: „Der Krieg mit den Molchen“, DAV; Longlist).
(in Kooperation mit Kunst& Bühne)
DER DRITTE BRUDER. Ein Dokumentarfilm von Kathrin Jahrreiß
Kathrin Jahrreiß geht dem Leben von drei sehr unterschiedlichen Brüdern nach: Einer machte bei den Nazis Karriere und behielt auch in der BRD einen hohen Status, ein anderer flüchtete in die USA und der dritte, ihr Opa, blieb nach der Ermordung seiner jüdischen Frau in Dresden, um nach dem Krieg als Anwalt einen Rechtsstaat mit aufzubauen – bis er von der Stasi rekrutiert wurde. Eine persönliche Spurensuche, die ein komplexes Bild einer deutsch-jüdischen Familie über drei Generationen in mehreren politischen Systemen zeichnet.
Kommentar: Der Film ist spannend, tragisch und sehr bewegend. Das zeigten die Gepräche im Anschluss an den Film.
(in Kooperation mit Kino achteinhalb)


