Entnazifiziert – der Fall des Karl-Heinz Müller
Karl-Heinz Müller war 1943/44 der Gestapo-Chef von Toulouse, konnte sich 1944 noch rechtzeitig nach Deutschland absetzen und so einer Verhaftung in Frankreich entgehen. Er war in Celle von 1958 bis zu seiner Pensionierung 1971 Leiter der Celler Kriminalpolizei und lebte bis zu seinem Tod im Februar 1993 unbehelligt auch in Celle. Der Chef der Gestapo von Toulouse wurde nie vor Gericht gestellt und selbst an seinen Pensionsansprüchen bis zu einem Tod nicht gerüttelt.
Die französische Historikerin Cécile Vaissié interessierte sich dafür, wie es ihm gelang, seine Täterschaft in deutschen Entnazifizierungsverfahren zu verschleiern – auch noch, nachdem er in Frankreich 1953 in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war.
Der französische Haftbefehl konnte nicht vollstreckt werden, da Müller sich in Deutschland befand. 1946 kehrte er in seine Heimatstadt Lüneburg zurück. Die Briten internierten ihn bis März 1948 im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. Im Entnazifizierungsverfahren unterschlug er seine Gestapo-Tätigkeit in Toulouse und bestritt, jemals Mitglied der Gestapo und der SS gewesen zu sein. Einzig seine Mitgliedschaft in der NSDAP gab er zu. Schon im Mai 1948 wurde Karl-Heinz Müller wieder als Beamter in den Lüneburger Polizeidienst aufgenommen. 1958 wechselte Müller zur Kriminalpolizei nach Celle und blieb dort bis zu seiner Pensionierung.
Cécile Vaissié, geboren 1962, ist Professorin für russische, sowjetische und postsowjetische Studien an der Universität Rennes 2. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Beziehungen zwischen Macht, Kulturen und Gesellschaften im sowjetischen und postsowjetischen Raum sowie die Einflusspolitik der UdSSR und Russlands. Darüber hinaus interessiert sie sich für die Prozesse der Entnazifizierung und Dekommunisierung.
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Zeit: | Donnerstag, 12. November 2026, 19.00 Uhr |
Ort: | Kunstmuseum Celle, Schloßplatz 7, Celle |
Referent: | Prof. Dr. Cécile Vaissié, Universität Rennes (Die Referentin spricht deutsch) |
Veranstalter: | Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Celle e.V. in Kooperation mit dem Museumverein Celle e. V. und der RWLE Möller Stiftung |

